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Wer den Pfennig nicht ehrt...
Sparbüchsen aller Zeiten

Schon lange, bevor es Geld gab, wurde gespart, denn im Grunde ist ja schon das Anlegen von Vorräten eine Form des Sparens, der Vorsorge.
Gespart wurde wohl von der Menschheit seit frühesten Zeiten: Erst Lebensmittel für Notzeiten, später wertvolle Metalle und andere Tauschmittel und seit rund zweieinhalb Jahrtausenden geprägtes Geld.
Man kann annehmen, dass zuerst die Münzen in Töpfen oder Beuteln gespart wurden. Daraus entwickelte sich dann folgerichtig eine Form, in die zwar Geld leicht eingeworfen, aber nur schwer herauszunehmen ist - eben die Sparbüchse.
Die ersten Sparbüchsen, Tontöpfe mit einem Schlitz für den Geldeinwurf, kennen wir seit etwa dem 3. Jahrhundert v. Chr., in der Sammlung der Kreissparkasse Köln befinden sich einige aus der römischen Zeit.

Die älteste Spardose
In einer der vielen Ausstellungsvitrinen im Irakischen Nationalmuseum in Bagdad stand im Sommer 1990 eine schlichte tönerne "Töpferscheiben-Sparbüchse" (s. u.). Sie war etwa 17 cm hoch und lief unten spitz aus, besaß also, wie antike Weinamphoren, keine Standfläche. Eine kleine Kugel bildete die Spitze des Objektes aus rauem, jedoch offensichtlich dünnem Ton von gelblicher Farbe. Der etwas ausgebrochene Einwurfschlitz verlief in senkrechter Richtung ziemlich weit oben.
Die Sparbüchse wurde bei der Ausgrabung eines privaten Wohnhauses in Babylon gefunden und lässt sich nach ihren Fundumständen eindeutig in die hellenistische Zeit einordnen, genauer ins Ende des 4. bis Anfang des 3. Jh. vor Chr. Es handelt sich damit um die älteste bisher bekannte Sparbüchse (Abb. 1).
Ob dieses äußerlich recht unscheinbare, jedoch höchst bedeutsame Objekt die Plünderungen von 2003 überlebte, ist unbekannt.

Der Thesauros
Vor Bekanntwerden der Irakischen Spardose wurde lange Zeit eine kleine Tonspardose in Form eines Schatztempels (Thesauros) als das älteste Behältnis zum Sparen von Münzen angesehen. Sie stammt aus der Ausgrabung eines Wohnhauses in Priene an der türkischen Westküste und befindet sich heute im Antiken-Museum auf der Berliner Museumsinsel. Sowohl der späthellenistische Stil wie auch die Fundzusammenhänge datieren den Naiskoi, wie der Name korrekt heißen müsste, in die Zeit des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts (Abb. 2 und 3).

Römische Spardosen
Aus römischer Zeit kennen wir relativ viele Sparbüchsen. Auch bei Bauarbeiten auf dem Grundstück der Kreissparkasse am Kölner Neumarkt wurden 1935 einige gefunden, sie boten damals die Anregung zum Aufbau der Sparbüchsensammlung der Kreissparkasse Köln, aus der später die Geldgeschichtliche Sammlung entstand. Bei den meisten handelt es sich wiederum, wie schon bei der ältesten Spardose, um Keramikgefäße in einer Birnenform, die leicht auf der Töpferscheibe hergestellt werden konnte ("Töpferscheiben-Spardosen"). Der Sparer musste sie zum Entleeren zerbrechen. (Abb.  5 und 6).

Töpferscheibenspardosen
Die Töpferscheibenspardosen wurden, wie schon der Name sagt, auf einer rotierenden Töpferscheibe hergestellt. Der bauchige Körper konnte dabei oben leicht verschlossen oder zugeschmiert werden, ein Einschnitt bildete den Einwurfschlitz. Um das gesparte Geld zu entnehmen, musste das Gefäß zerschlagen werden. Dieser Typ der Spardose ist seit der Römerzeit bis heute der am weitesten verbreitete; in der Geldgeschichtlichen Sammlung der Kreissparkasse Köln finden sich Beispiele aus fast allen Regionen der Erde, vom Mittelmeerraum bis Bali, aus Südamerika, England und Pakistan - von dort und aus Tunesien sogar aus Plastik! (Abb. 4, 5, 7, 8)

Mittelalterliche Spardosen
In den unruhigen Zeiten des Mittelalters vergrub man seine Ersparnisse lieber, als sie im Hause aufzubewahren - Sparbüchsen aus dieser Zeit sind viel seltener als römische. (Abb. 5 und 6)

Das Sparschwein unter dem Reisfeld
Schon seit dem 14. Jh. tritt das Sparschwein seinen Siegeszug um die Welt an. Das Schwein diente nicht nur bei uns als Symbol für Glück und Fruchtbarkeit, auch im alten China gab es Sparschweine. Im ostjavanischen Königreich Majapahit (Indonesien, ca. 1293-1520) sammelte man die dort gebräuchlichen chinesischen Münzen im Sparschwein. Nach 1520 wurde Java islamisch, damit verschwand das "unreine" Schwein sowie das Sparschwein aus dem Lande.
Gehalten hat sich der Name: Mit Céléngan wird noch heute die Sparbüchse in jeder Form bezeichnet, das Wort leitet sich ab von Céleng, "Schwein" (Abb. 9).

Das älteste deutsche Schwein
Das älteste in Deutschland gefundene Sparschwein stammt aus Billeben in Thüringen und wird ins 13. Jh. datiert. Das Fragment besteht aus rotem Ton und kann sich in seiner plumpen Form nicht mit seinem indonesischen "Bruder" messen (Abb. 10).

Seit dem 18. Jh. gibt es Sparbüchsen in fast allen Formen und Materialien. Aus Köln kommen kleine blecherne Schokoladenautomaten der Firma Stollwerck, dem Kind "versüßte" eine Miniaturschokoladentafel das Sparen (Abb. 11).

Besonders beliebt waren seit 1880 in den USA gußeiserne "Mechanische Spardosen", bei ihnen verband sich der Spieltrieb mit dem Spargedanken. Heute wird die Idee wieder aufgenommen, neueste Entwicklungen verfügen über Computerstimmen, die automatisch den gesparten Betrag nennen, oder über andere elektrische oder elektronische Spielereien (Abb. 12).

Das Sammeln von Spardosen ist ein interessantes Hobby. Sammler aus aller Welt haben sich zur EMBC (European Money Bank Collectors, www.embc.de) zusammengeschlossen.

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Abb. 1
Irak. "Töpferscheiben-Spardose" Ende 4., Anfang 3. Jh. vor Chr.
Gefunden in Babylon, bis 2003 im irakischen Nationalmuseum, Bagdad (Verbleib heute unbekannt).
Dies ist bisher die älteste Spardose der Welt!
Abb. 2
Spartempel, "Thesauros" oder "Naiskoi". Griechische Tonspardose aus Priene, 2. Jh. v. Chr. (Kopie, Original ausgestellt im Antikenmuseum Berlin, Museumsinsel).
Abb. 3
Griechenland, Banknote zu 10.000 Drachmen 1942.
"Thesauros Athenaion", das Schatzhaus der Athener in Delphi.
Abb. 4
Römische "Töpferscheiben-Sparbüchse", 2. bis 3. Jh. n. Chr. Gefunden in Köln.
Abb. 5
Römische "Töpferscheiben-Sparbüchsen", 2. bis 3. Jh. n. Chr. Gefunden in Köln.
Abb. 6
Mittelalterliche Sparbüchse in Form eines Türmchens,
ca. 1500 bis 1550.
Gefunden in Siegburg.
Abb. 7
"Töpferscheibensparbüchsen",
gelb-grün glasierte Hafner-Ware, und unglasiert.
Köln, 17. und 15. Jh.
Abb. 8
Tunesien. Weichplastik-Spardose, Nachahmung der Form der "Töpferscheiben-Sparbüchsen", die - in Ton - auch in Tunesien weit verbreitet sind.
Erworben 2000 auf einem Markt in Tunesien.
Abb. 9
Ostjavanisches Königreich Majapahit  (Indonesien), ca. 1293-1520.
"Céléngan", Sparschwein, aus gebranntem Ton.
Dies ist das älteste Sparschwein in der Kreissparkasse Köln.
Länge ca. 40 cm.
Abb. 10
Das älteste Sparschwein Deutschlands, 13. Jh., gefunden in Billeben, Thüringen
(Keramik, Kopie).
Abb. 11
"Victoria-Sparautomat" der Kölner Schokoladen-Firma Stollwerck, um 1890.
Diese deutsche Ausführung zeigt Hänsel und Gretel, die französische und die englische Engelchen.
Abb. 12  (Film: 127 kb)
Zwei Ochsenfrösche,
"Bullfrog Bank" oder "Frog Bank".
Amerikanische mechanische Spardose aus Gusseisen, bemalt.
Patentiert 1882.
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