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Nach Adam Riese ...
Der Rechenpfennig, Ahnherr des Computers
Der Umgang mit Geld erforderte schon immer einige Rechenkenntnisse. Sowohl unsere Vorfahren brauchten sie, um mit dem Einkommen auszukommen, wie auch die Kaufleute des Mittelalters, die Steuereinnehmer und Finanzminister der Fürsten und die Zahlmeister der Söldnerheere.
Das Rechnen mit großen Summen war in dieser Epoche nicht so einfach wie heute, denn das System unseres "schriftlichen Rechnens" kannte man noch nicht. Dies lag vor allem daran, dass die heute gebräuchlichen arabischen Ziffern in Europa noch nicht verwendet wurden, da das römische Zahlensystem noch in Gebrauch war. Mit diesem konnte man aber komplizierte Rechenoperationen besonders wegen des Fehlens der Null nicht leicht ausführen.
Es gab allerdings schon in der Antike eine Anzahl wichtiger Rechenhilfen, von denen der Abacus oder das Rechenbrett die wichtigste war. Es handelte sich um ein Linienschema, bei dem die verschiedenen Linien steigende Dezimalwerte darstellten. Auf ihnen legte man anfangs wohl Steinchen aus (lateinisch calculus, das Steinchen, davon abgeleitet "kalkulieren"), mit denen man die Dezimalwerte anzeigte. Später übertrug sich der Name auf speziell für diesen Zweck geprägte Marken. Diese waren zwar münzförmig, wahrscheinlich weil das meiste Rechnen den Geldverkehr betraf, hatten aber sonst keinerlei Geldwert.
Es gab verschiedene Methoden, von denen sich die des 1492 geborenen Rechenmeisters Adam Riese besonders bewährte. Er schrieb auch mehrere Lehrbücher für den Gebrauch des Rechenpfennigs und des "Rechnens auf den Linien". Im Grunde handelte es sich nur um ein Zählverfahren, wobei jedem Steinchen oder Rechenpfennig ein besonderer Wert zugewiesen wurde, je nachdem, auf welcher Linie er lag. Durch Verschieben erhielt er einen neuen Wert. Am Ende musste nur neu zusammengezählt werden.
Bis zum Ende des 17. Jh. waren diese Rechenmethoden in Deutschland allgemein üblich, nach dieser Zeit haben sich die arabischen Ziffern und die mit ihnen möglichen modernen schriftlichen Rechenoperationen durchgesetzt.

Gelegentlich stellten Münzmeister nebenbei Rechenpfennige her, die meisten aber stammen aus Werkstätten von speziellen Rechenpfennigmachern. Aus ihrem Zentrum Nürnberg wurden sie tonnenweise über Messen und Kaufleute in viele Länder verhandelt, denn der Bedarf war groß.
Die aus Kupfer oder Messing geprägten Rechenpfennige wurden zunächst oft nach dem Vorbild von Edelmetallmünzen gestaltet. Später schmückte man sie vielfach mit mythologischen und biblisch-religiösen Szenen, auch Satiren sind auf ihnen zu finden. Die niederländischen Rechenpfennige aus der Zeit des Befreiungskrieges gegen Spanien im 16. Jh. geben sehr oft politisch-kriegerische Ereignisse wieder.
Heute noch werden in Russland, Japan und China "Rechenmaschinen" nach dem Prinzip des Abacus benutzt. Hier verschiebt man Perlen auf Drähten anstelle der Rechenpfennige. Es wird gelegentlich berichtet, dass flinke Verkäuferinnen mit diesen Geräten schneller rechnen als wir mit Taschencomputern.
Rechenschule, aus H. Grammateus
"...Rechnung auff Kauffmanschafft...",
Nürnberg bei Stuchs 1518.
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