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Melanesien, Mikronesien

Besonders in den westlichen Gebieten der Südsee hingen "Geld", Macht und Prestige eng zusammen. In einigen Fällen kann man nicht klar sagen, ob ein Objekt als "Geld" einzustufen ist, oder als ein Prestige-Symbol; diese Begriffe überlappen sich häufig. Mit (traditionellem) Geld konnte man - und kann man noch heute - in Neuguinea Ansehen "kaufen", indem man es in einem Fest ausgibt. Wer auf einem Fest sein Geld zur Schau stellt, an andere abgibt, Schweine für den gemeinsamen Braten kauft, der ist oder wird ein "Big Man", einer, der etwas zu sagen hat. Auf Yap, einer kleinen mikronesischen Insel, sollte ein neuer Flugplatz gebaut werden, aber einer der Landbesitzer war nicht bereit, zu verkaufen. Die Gebote, in US-Dollar, wurden immer höher - er verweigerte den Verkauf. Erst als ihm ein Mann ein großes Stück Steingeld anbot, willigte er ein: Das Steingeld verschaffte ihm ebenso großes Prestige wie zuvor der Landbesitz. Dollarnoten oder ein Konto schufen kein Ansehen.

Traditionelle Geldformen in der heutigen Zeit
Heute sind die traditionellen Geldformen fast überall auf der Welt durch Münz- und Papiergeld ersetzt. In manchen Gebieten werden jedoch noch immer die traditionellsten Zahlungen, besonders die des Brautpreises, mit Muschelgeld oder anderen überlieferten Geldformen geleistet. Der Ersatz durch moderne Banknoten schafft große soziale Probleme. So wird das Federgeld auf der zu den Salomonen gehörenden Insel Santa Cruz seit ca. 1985 nicht einmal mehr als Brautpreis verwendet. Es wurde früher auf der Hauptinsel Ndende aus Tausenden kleinster roter Federchen hergestellt, man konnte dann damit auf den etliche Kilometer entfernten Koralleninseln Frauen kaufen. Die Männer dieser Riff-Inseln waren große Seefahrer, viele kehrten nicht zurück, daher der Frauen-Überschuss. Die Riff-Leute brachten das Federgeld wieder zurück auf die Hauptinsel und erwarben damit große Baumstämme, die es auf den flachen Koralleninseln nicht gab, die sie aber zur Herstellung ihrer großen Kanus dringend brauchten.
Frauen von Ndende kaufte man nicht, musste aber an ihre Eltern und Familie einen Brautpreis in Form des Federgeldes zahlen. So entstand ein Kreislauf des Geldes zwischen Hauptinsel und Riffinseln, aber auch innerhalb der Hauptinsel Ndende.
Inzwischen braucht man zum Bootsbau keine Baumstämme mehr, und nur noch wenige Männer fahren zur See: Den Frauenüberschuss gibt es nicht mehr. Auch das Federgeld hat seine Funktion eingebüßt, es wurde durch Banknoten ersetzt. Das schuf aber ungeahnte soziale Probleme: Banknoten kursieren im Gegensatz zum traditionellen Zahlungsmittel nicht nur im inner-insularen Kreislauf. Sie werden ausgegeben in der Hauptstadt Honiara, vorwiegend für Gebrauchsgüter. Vor etwa 10 Jahren entstand so die Situation, dass ein Brautpreis von der Familie der Braut gefordert wurde, aber kein Bargeld zu beschaffen war, denn Verdienstmöglichkeiten gab es auf der Insel nicht. Die jungen Männer wanderten ab in Gebiete, in denen die Möglichkeit zum Geldverdienen bestand, vorwiegend in die Hauptstadt. Kamen sie zurück und bezahlten ihren Brautpreis, kaufte die Familie der Braut Luxus- und andere Artikel, nicht daran denkend, dass der Sohn oder Neffe ja bald auch Geld für seinen Brautpreis benötigen würde… (Inzwischen gibt es eine kleine Kokosöl-Mühle als Entwicklungsprojekt. Wenn eine Hochzeit ansteht, hat sie vollauf zu tun).
Die alten Federgeldrollen haben ausgedient, einige liegen noch verschimmelt und zerfressen in den Hütten, die Insel durften sie nicht verlassen. "Culturage Heritage"-Bestimmungen verhinderten ihre Bewahrung.
Auf Malaita, auch zu den Salomonen gehörend, kommt man dagegen noch heute ohne Muschelgeld nicht aus. Es wird in der Langalanga-Lagune in großen Mengen auch für andere Inseln hergestellt, ganze Dörfer leben von der Geldproduktion. Enorme Summen in Form dieser kleinen, aufgefädelten Scheibchen aus Muschelschale wechseln bei einer Hochzeit die Besitzer - ein normaler Brautpreis besteht aus 50 und mehr Kilo. Die Übergabe geschieht natürlich unter reger Beteiligung des ganzen Dorfes. Je mehr die Familie des Bräutigams bezahlt, umso höher steigt sein Prestige.
Auf der anderen Seite gibt es gerade in der Südsee viele Objekte, die streng genommen nicht der Gruppe der Geldformen zuzuordnen sind, die jedoch den Status ihres Besitzers direkt anzeigen. Oft sind es kunstvoll hergestellte Schmuckstücke, wie Kapkaps oder Prunkäxte, die nur selten ihren Besitzer wechseln.

Im Großen und Ganzen ist die Zeit der traditionellen Zahlungsmittel überall auf der Welt vorbei. Nur für rituelle Zahlungen werden sie mancherorts noch eingesetzt. Für den täglichen Gebrauch jedoch, für den Einkauf von Holz, Fisch oder Taro, vür die Bezahlung eines zimmermanns beim Haus- oder Bootsbau, sind diese Geldformen endgültig durch moderne Zahlungsmittel verdrängt worden. Gelegentlich erscheinen sie noch abgebildet auf Münzen oder Banknoten der jungen, nachkolonialen Staatsgebilde - eine schmückende Erinnerung an längst vergangene Zeiten, an die sich nur noch sehr alte Leute erinnern können.

Was uns bleibt, ist die Hochachtung vor der handwerklichen Meisterschaft und die Bewunderung der vollendeten Formensprache einer uns fremden und unwiederbringlich vergangenen Welt.

Kauri-Schnecken, besonders im Hochland von Papua Neuguinea, aber auch in Afrika und Asien als Zahlungsmittel begehrt.
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