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Geld aus dem Reich der Mitte

Schon lange vor der "Erfindung" der Münze in unserem Kulturkreis (Griechenland) entwickelte sich in Ostasien ein völlig eigenes Geldsystem. Es basierte nicht auf dem Wert des Edelmetalls, sondern auf dem Gebrauchswert von Bronzegeräten wie Spaten und Messern als Zahlungs- und Tauschmittel.
Schon aus dem 2. Jahrtausend vor Chr. sind Schalen der Kausischnecken als Zahlungsmittel belegt, als Belohnung für Fürsten oder als Tributzahlungen aus dem Süden. Andere Gegenstände, die aber eher als Tauschmittel angesehen werden, waren Sklaven, Seide, Pferde, Jade und Bronzegeräte.
Die Kauris wurden gelocht und, auf Schnüre aufgezogen, "peng" genannt. Das Schriftzeichen (Radikal) "bei" hat sich aus der Kauri-Form entwickelt und bedeutet noch heute Kauri, aber auch "wervoll". Kauris wurden später auch aus Kupfer gefertigt und im Staat Chu bis ins 2. Jh. v. Chr. benutzt. Auf ihnen findet sich das Schriftzeichen "bei", Kauri.

Spaten- und Gabelspieß-Münzen (bu)
Um 700 v. Chr. erstarkten in China die territorialen Fürstentümer; die Tributlieferungen an die Zhou-Könige in Form von Kauri-Geld bleiben aus. Es wird vermutet, dass die Zhou-Könige in Luoyang am Gelben Fluss (Huang He) beschlossen, als Ersatz eigenes Geld in Form von Miniatur-Spaten ("bu") aus Kupfer auszugeben, um sich von den Kauri-Lieferungen unabhängig zu machen. Vielleicht dienten schon vor dieser Zeit Spatenblätter nicht nur als Ackergerät, sondern auch als Tauschobjekt oder Geld.
Die Spatenmünzen erscheinen uns heute kurios, aber es waren reguläre Ausgaben eines Königreiches. In Münzreformen und -edikten, u.a. 524 v. Chr., wurden neue Formen eingeführt und ihre Größe immer weiter reduziert. Einige tragen Schriftzeichen, Namen von Münzstätten oder Münzbeamten andeutend.
Um 630 gaben die Fürsten von Jin in ihrer Hauptstadt Jiang bei Yicheng oder Xintian (bei Houma, Süd-Shanxi) eine eigene Spatenmünze mit auffallenden spitzen Schultern und Enden aus. Als Vorbild wird hier wohl kein Spaten, sondern ein Gabelspieß oder eine andere Waffe angesehen. Vielleicht handelt es sich aber auch um eine Phantasieform, eine Neuschöpfung ausschließlich für den Gebrauch als Geld, denn ein Vorbild ist bisher nicht bekannt geworden. Auch hier wurde die Größe ständig reduziert.
Nach 496 v. Chr. entfällt die hohle Tülle, es bleiben kleine, flache Plättchen in Gabelform, auf der Schriftzeichen die ausgebende Stadt bezeichneten.

Messer-Münzen (dao)
Im Osten Chinas, im Staate Qi in der heutigen Provinz Shandong, entwickelte sich Mitte des 7. Jh. V. Chr. eine andere Münzform. Vorbild war diesmal ein Messer. Der Reichtum des Staates und seiner Kaufleute basierte auf dem Salzhandel. Als Werteinheit wird auf dem Messergeld "30 huo" gelesen. Ob es sich um eine Art Salzgeld gehandelt hat?
Auch die Messermünzen wurden im Laufe der Zeit bis zu ihrem Ende 221 v. Chr. immer kleiner und dünner.

Runde Münzen
Seit Mitte des 5. Jh. v.Chr. gab es in in einigen Gebieten der Könige von Zhou auch ringförmige Münzen oder eher runde Münzen mit einem runden Loch ("huanqiang"). Im Staate Qin mit seiner Hauptstadt Xianyang (Provinz Shaanxi, nahe Xi´an) führte Qin Huiwenwang (337-311) seit 336 v. Chr. ebenfalls solche ringförmigen Münzen in der Währungseinheit Liang ein. Es war der letzte der sieben großen Staaten der Zhanguo-Zeit, der Metallgeld ausgab; vorher kursierten hier Stoffbahnen von festgesetzter Größe.
Seit dem 3. Jh. v. Chr. wurden die runden Münzen mit einem quadratischen Loch versehen: in der chinesischen Kosmologie stellte man sich den Himmel rund, die Erde quadratisch vor. Diese Form der gegossenen, bildlosen, nur mit Schrift versehenen Bronzemünzen mit quadratischem Loch, das ein Auffädeln ermöglichte, hielt sich im Prinzip unverändert über mehr als 2000 Jahre bis zur Abschaffung des Kaisertums 1912.
Diese erste, etwa 4 cm große Ausgabe zeigte zwei Schriftzeichen, die Gewichtsbezeichnung "Ban Liang", 1/2 Liang (Kupfer). Heute weiß man nicht mehr, wie hoch das Gewicht "Liang" war, da die Münzen vermutlich von Anfang an nicht diesem "Sollgewicht" entsprachen und geringwertiger ausgegeben wurden.
Nach Unterwerfung aller anderen chinesischen Reiche wurde 221 v. Chr. Qin Shi Huangdi, der Fürst des Staates Qin, als erster Kaiser von China. Bekannt ist er heute wegen seiner Grabanlage, vor der sich eine ganze Armee aus lebensgroßen Terrakotta-Kriegern befindet.
Als wichtiges Mittel zur Herstellung der Reichseinheit  sah er die Vereinheitlichung des Maß- und Gewichtssystems an. Als Einheitswährung für das ganze Reich  führte er seine Ban Liang-Münzen ein, sie ersetzen überall die Spaten- und Messermünzen. Diese ersten gesamtchinesischen Münzen unterscheiden sich nicht wesentlich von den Münzen des Staates Qin, sie sind nur etwas regelmäßiger und mit flacherem Relief gegossen. Bald wurden die Münzen ungeachtet ihrer Gewichtsangabe "1/2 Liang" mit der Zeit immer dünner und kleiner ausgegeben, einige messen nur noch wenige Millimeter; sie gehören zu den kleinsten Münzen der Welt.
Auf den meisten Münzen seit der Han-Dynastie stehen nur vier Schriftzeichen: neben Bao (Münze) meist tong (gültige), zhong (schwere) oder yuan (erste), ferner der jeweilige Epochenname (Nian-hao) des Kaisers. Den persönlichen Namen eines Kaisers auf eine Münze zu schreiben verbot der Glaube der Chinesen. Die Rückseite blieb anfangs leer, in der Ta Qing- oder Mandschu-Dynastie, 1644 bis 1912, wurde dort die Münzstätte in Mandschurisch und/oder Chinesisch genannt.
Neben diesem Bronzegeld verwendete man noch lange für kleine Zahlungen - wie später in Afrika oder Neu-Guinea - die Gehäuse der Kaurischnecken. Große Zahlungen wurden mit Hilfe von Silberbarren beglichen, die als Sycee bezeichnet werden (Barrengeld). Weitere Informationen zu chinesischem Barrengeld finden Sie auch im  Fenster-Heft 163 "Barren als Zahlungsmittel" (PDF-Datei; 689 KB).

China, Fürsten von Jin.
Große Spaten- bzw. Gabelspießmünze mit hohler Tülle (kongshoubu) , 602-585 v. Chr.
Münzstätte: Hauptstadt Jiang bei Yicheng, oder Xintian bei Houma, Süd-Shanxi.
Höhe ca. 15 cm.
Rechts: Späte, flache Spaten- oder Bu- Münze (fangzubu) des Fürstentums Wei, ca. 276-221 v. Chr., mit Nennung der Münzstätte Lin (Liulin am Sanchuan He?).
Bronze, gegossen.

Papiergeld
In China wurde bereits vor über tausend Jahren das Papiergeld erfunden. Im 7. und 8. Jh. gaben Kaufleute Depositenscheine aus, die an anderen Orten wieder eingelöst werden konnten. Seit dem 10. Jh. kam es zu staatlichen Emissionen.
Der Umfang des Papiergeldumlaufes war zeitweilig fast vergleichbar mit dem moderner Staaten, die Reisebeschreibungen des venezianischen Kaufmannes Marco Polo vermitteln davon ein anschauliches Bild.

Traditionen
Die alten Geldformen spielten bei den traditionsbewußten Chinesen immer eine große Rolle. So führte der Usurpator Wang Mang (9-23 n.Chr.) wieder kurzfristig Spatenmünzen ein, die damals schon seit 200 Jahren abgeschafft waren. Mit diesem Rückgriff in die archaische Zeit versuchte er, seine Herrschaft und sein Geld auf eine historische Tradition und Grundlage zu stellen.
Noch heute dienen Spatenmünzen und Geldstücke mit quadratischem Loch als Symbol des Reichtums; sie werden zum Beispiel als Signet chinesischer Firmen und Banken benutzt.

Lit.: Kempgen, Heinz-Wilhelm: Frühe chinesische Münzgeschichte:
Zur Chronologie der Spatenmünzen (7. bis 3. Jahrhundert v. Chr.).
Linden-Museum Stuttgart, 1993.

Staatspapiergeld des Reichsschatzamtes zu 1 Guan (1000 Käsch), um 1380, mit Darstellung von 10 Schnüren mit je 100 aufgefädelten Münzen, dem Gegenwert von 1 Tael Silber (etwa 35g, 1000 Käsch wiegen fast 4 kg).
Der Text nennte die ausgebende Stelle und den Strafsatz, statt Unterschriften waren - wie heute noch in China - rote Siegelabdrucke üblich. Das Papier wurde aus der Rinde des Maulbeerbaumes gewonnen.
Dies ist einer der ältesten erhaltenen Geldscheine. In Europa (Schweden) wurde erst 300 Jahre später Papiergeld "erfunden".
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